Angela von Deschwanden

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10. Dezember 1986 – 19. Juli 2014

Gross war die Bestürzung und Trauer, als sich die Nachricht verbreitete, dass Angela von Deschwanden mit einem Kollegen auf einer Bergtour aufs Zinnalrothorn tödlich verunglückt sei. Und noch Wochen später ist es schwer, sich mit dieser Tatsache abzufinden. In ihrem kurzen Leben hat Angela viele durch ihrer Liebenswürdigkeit und Warmherzigkeit berührt und bleibende Spuren hinterlassen.

Seit dem 19. Juli 2014 wissen wir, dass die letzte Seite im Lebensbuch von Angela geschrieben ist. Trotz des kurzen Lebens ist es ein beeindruckendes und umfangreiches Buch geworden.

Blicken wir zurück auf den Anfang: Gross war die Freude der Eltern Dorly und Werni, als ihnen Angela vor fast 28 Jahren als erstes Kind geschenkt wurde. An ihrem Namen hatte sie grosse Freude. Sie wusste, dass Angela Engel heisst. Und weil Engel oft mit einer Harfe dargestellt werden, war es seit dem Kindergarten ihr Wunsch, dieses Instrument zu erlernen. Sie brachte es zu grossem Können, wie sie überhaupt von grosser Musikalität war und diese auch auf anderen Instrumenten – Klavier, Panflöte, Gitarre, Schwyzerörgeli – zum Klingen bringen konnte.

In ihrer Primarschulzeit machte sie in der Mädchenriege, im Blauring und in der Ministrantinnenschar mit. Überall war sie gewissenhaft, eifrig und mit vollem Einsatz dabei. Es waren dies glückliche und unbeschwerte Jahre im Kreise ihrer Eltern und ihrer drei Geschwister Lukas, Thomas und Olivia.

Als Angela die Mittelschule Uri besuchte, wurde ein neues Blatt aufgeschlagen. Sie freute sich, Neues zu lernen, und gleichsam als Ergänzung zum Schulunterricht konnte sie ihre sportliche Seite – vor allem im Orientierungslauf – noch mehr entfalten. In diesem Sport fand sie neben der Herausforderung auch viele neue Freundinnen und Kameraden. Diese Freundschaften bedeuteten ihr sehr viel.

Nach und nach genügte ihr – wenn man so sagen kann – das Durchstreifen von Wiesen und Wäldern nicht mehr und sie entdeckte die Faszination der Berge. Es entsprach sowieso ihrem Naturell, sich nicht mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Sie wollte höher hinaus – im wirklichen und im übertragenen Sinn des Wortes.

So schlagen wir eine neue Seite in ihrem Lebensbuch auf. Angela entschied sich nach der Matura zum Studium an der ETH Zürich, wo sie sich im Departement Erdwissenschaften mit den vielfältigen Erscheinungsformen unserer Erde auseinander setzte. Natürlich hätte sie auch ganz andere Wege gehen können, so vielfältig waren ihre Begabungen und Interessen. Aber sie hat ihre Berufswahl gut überlegt. In kürzester Zeit erwarb sie den Master in ihrem Fachgebiet und fand vor vier Jahren eine Anstellung als Geophysikerin in Norwegen in der Stadt Tromsö.

Wenn wir in ihrem Lebensbuch weiterblättern, begegnet uns in diesen letzten Jahren eine glückliche Angela, die umgeben von Bergen und Fjorden und inmitten eines grossen Freundeskreises unbeschwerte Jahre erlebte. Davon erzählen viele schöne Fotos und auch die Delegation ihres Arbeitgebers North Energy, Tromsö. Die Kolleginnen und Freunde aus ihrer Wahlheimat Tromsö, die zu ihrem Abschied nach Altdorf gekommen sind, brachten das auf eindrückliche Weise zum Ausdruck.

Bevor Angela Ende Juni / Anfang Juli heim in die Ferien kam, postete sie auf Facebook ein Musikvideo mit dem Titel „Home“. Sie freute sich heimzukommen, wollte aber auch all ihren Freunden sagen, dass sie sich – wie es im Lied heisst – bei allen zu Hause fühlt, mit denen sie in Freundschaft und Liebe verbunden ist. „Heimkommen“ hat für sie eine ganz besondere Bedeutung gewonnen.

Angela ist uns – wie so oft in ihrem Leben – auch jetzt einen Schritt vorausgegangen. Sie lässt uns nicht allein zurück, sondern mit der Hoffnung, dass nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern das Leben. Und es ist sicher in ihrem Sinn, wenn wir unsere Zeit gut nutzen und immer wieder die Lust und die Freude am Leben entdecken, wie sie es getan hat. Wir werden Angela nie vergessen.

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